Romanze im Meisterkurs

Die Brendles haben vor 50 Jahren die Friseurmeisterprüfung gemacht – und kurz danach geheiratet.

  • Foto: Ingo Schneider

Wenn Paare davon erzählen, wie sie sich gefunden haben, dann bekommt der Zuhörer oftmals herzerwärmende und bisweilen lustige Geschichten zu hören. Die Liebesgeschichte von Susanne und Hanspeter Brendle ist da keine Ausnahme. Vor fünfzig Jahren absolvierten die heute 73-Jährigen ihre Meisterprüfung als Friseure – am selben Tag. Am Ende fanden sie dabei nicht nur ihr berufliches, sondern auch ihr ganz privates Glück.

Für Susanne und Hanspeter Brendle steht schon früh fest, dass sie als Friseure arbeiten werden. Beide kommen sie aus waschechten Friseurfamilien mit eigenen Salons. Persönliche Wünsche haben bei der Berufswahl keine Priorität. Sie will eigentlich Lehrerin werden, er träumt von einer Arbeit als Ingenieur. Doch die Familientradition geht vor. Im Alter von fünfzehn Jahren beginnen beide in Freiburg eine Friseurlehre.

Traurig sind sie darüber heute nicht. Ihr Beruf entwickelt sich im Laufe der Zeit zu ihrer großen Leidenschaft. "Man ist kreativ, man gestaltet, und man sieht das Ergebnis der eigenen Arbeit", schwärmt Hanspeter Brendle. Für Susanne Brendle liegt der Reiz in der Vielfalt: "Jede Frisur, jeder Kopf ist anders; man muss sich immer wieder auf neue Kunden einstellen."

Nach Abschluss ihrer dreijährigen Lehre arbeiten Susanne und Hanspeter Brendle zunächst fünf Jahre lang als Gesellen; so lange müssen sie warten, bis sie ihren Meister machen dürfen. Zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung besuchen sie schließlich einen einjährigen Abendkurs – da kreuzen sich ihre Wege. Susanne Brendle ist zu diesem Zeitpunkt noch anderweitig liiert, doch das hält Hanspeter Brendle nicht davon ab, ein, zwei Augen auf seine sympathische Kollegin zu werfen. "Man muss dranbleiben, sonst geht nichts", sagt er – und beide schmunzeln. In den Kursen sehen sie sich zweimal pro Woche und kommen sich näher. Zugleich naht mit großen Schritten der Termin der Meisterprüfung.

Es ist der 6. März 1967. Prüfungstag. Spannung, Kribbeln im Bauch. "Das war die übliche Prüfungsnervosität", erzählt Susanne Brendle. "Aber während der Prüfung hatte man vor lauter Arbeit keine Zeit mehr, nervös zu sein." Alle Teilnehmer ihres Kurses werden zeitgleich in einem Raum der Freiburger Gewerbeschule geprüft. Unter den Blicken der Prüfer blondieren sie Haare, legen Dauerwellen und präsentieren einen Herrenhaarschnitt. Am Ende halten Susanne und Hanspeter Brendle ihre Meisterbriefe in der Hand.

Nach der Prüfung nimmt die Romanze zwischen den frischgebackenen Friseurmeistern Fahrt auf. Und schließlich geht alles ganz schnell – wie genau, das können sie gar nicht so wirklich sagen. "Es hat sich einfach so ergeben", meint Hanspeter Brendle. Die Beiden werden ein Paar und verloben sich schon ein halbes Jahr nach ihrer Meisterprüfung.

Das Ehepaar übernimmt den Friseursalon von Hanspeter Brendles Eltern. Das Geschäft in Freiburg-Mooswald läuft gut: Zeitweise beschäftigen sie bis zu sieben Mitarbeiter in dem Laden in der Vorderhälfte ihres Wohnhauses. "Es hat Spaß gemacht", sagt Hanspeter Brendle rückblickend. Im Jahr 2009 schließen sie aus Altersgründen den Salon. Doch ganz abgeschlossen haben sie mit ihrer Zeit als Friseure noch nicht. Bei der Altmeisterfeier der Kreishandwerkerschaft sind sie am Wochenende mit dem "Diamantenen Meisterbrief" ausgezeichnet worden – 50 Jahre nach ihrer Meisterprüfung.

Badische Zeitung, 04. Dezember 2017


04.12.2017 22:36 Alter: 48 Tag(e)

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